Moed Katan 28

Kapitel 28

א ואי אמרת קטן אית ביה פלוגתא נמצאת אבילות נוהגת בקטן
1 Wenn du nun sagst, bei einem Kinde gebe es einen Unterschied, so hat ja die Trauer auch bei einem Kinde zu erfolgen,
ב והתניא מקרעין לקטן מפני עגמת נפש
2 während gelehrt wird, daß man auch das Gewand des Kindes einreiße, damit dies Wehmut errege!?
ג אמר רב אשי מי קתני הא אסורין דלמא יש מהן אסור ויש מהן מותר
3 R. Aši erwiderte: Lehrt er etwa, es sei verboten, vielleicht manchem erlaubt und manchem verboten!?
ד אמימר ואי תימא רב שישא בריה דרב אידי מתני הכי אמר שמואל קטן מותר לגלחו במועד לא שנא נולד במועד ולא שנא נולד מעיקרא
4 Amemar, nach anderen R. Šiša, Sohn des R. Idi, lehrte es wie folgt: Šemuél sagte: Einem Kinde darf man am Halbfeste das Haar scheren, einerlei ob es am Feste selbst oder vorher geboren wurde.
ה אמר רב פנחס אף אנן נמי תנינא כל אלו שאמרו מותר לגלח במועד מותר לגלח בימי אבלו הא אסורין לגלח במועד אסורין לגלח בימי אבלו
5 R. Pinḥas sprach: Auch wir haben demgemäß gelernt: All diejenigen, von denen sie gesagt haben, sie dürfen sich am Halbfeste das Haar scheren, dürfen es auch während der Trauer. Demnach darf, wer sich am Halbfeste nicht scheren darf, es also auch nicht während der Trauer.
ו אי אמרת קטן אסור נמצאת אבילות נוהגת בקטן ותניא מקרעין לקטן מפני עגמת נפש
6 Wenn du nun sagen wolltest, es sei bei einem Kinde verboten, so hat ja die Trauer bei einem Kinde zu erfolgen, während gelehrt wird, daß man auch das Gewand des Kindes einreiße, damit dies Wehmut errege!?
ז אמר רב אשי מי קתני הא אסורין דלמא יש מהן אסור ויש מהן מותר
7 R. Aši entgegnete; Lehrt er etwa, es sei verboten, vielleicht manchem erlaubt und manchem verboten!?
ח אבל אינו נוהג אבילותו ברגל שנאמר (דברים טז, יד) ושמחת בחגך
8 Der Leidtragende halte am Feste keine Trauer, denn es heißt: <i>du sollst dich an deinem Feste freuen</i>;
ט אי אבילות דמעיקרא הוא אתי עשה דרבים ודחי עשה דיחיד ואי אבילות דהשתא הוא לא אתי עשה דיחיד ודחי עשה דרבים
9 besteht die Trauer von früher her, so kommt das für die Allgemeinheit bestehende Gebot und verdrängt das für den Einzelnen bestehende Verbot, und ist die Trauer jetzt eingetreten, so kann das für den Einzelnen bestehende Gebot nicht das für die Allgemeinheit bestehende Gebot verdrängen.
י מנודה מהו שינהוג נידויו ברגל אמר רב יוסף תא שמע דנין דיני נפשות ודיני מכות ודיני ממונות ואי לא ציית דינא משמתינן ליה
10 Unterliegt aber, wer mit dem Banne belegt ist, während des Festes den [Vorschriften des] Bannes? R. Joseph erwiderte: Komm und höre: Man halte am Halbfeste Gerichtsverhandlungen über Todesstrafen, Geißelungen und Zivilsachen. Wenn jemand nicht gehorcht, belegt man ihn mit dem Banne.
יא ואי סלקא דעתך אינו נוהג נידויו ברגל משומת ואתי מעיקרא אתי רגל דחי ליה השתא משמתינן ליה אנן
11 Wieso sollte man ihn, wenn du sagst, der mit dem Banne belegte unterliege während des Festes nicht [den Vorschriften] des Bannes, mit dem Banne belegen, wo das Fest sogar den bereits bestehenden Bann verdrängt!?
יב א"ל אביי ודלמא לעיוני בדיניה דאי לא תימא הכי דיני נפשות דקתני ה"נ דקטלין ליה
12 Abajje sprach zu ihm: Vielleicht nur über den Fall verhandeln. Wie sollte man ihn denn, wenn du es nicht so erklären wolltest, hinrichten,
יג והא קא מימנעי משמחת יום טוב דתניא ר"ע אומר מנין לסנהדרין (שראו בא') שהרגו את הנפש שאין טועמין כל אותו היום ת"ל (ויקרא יט, כו) לא תאכלו על הדם
13 man entzieht sich ja der Festfreude!? Es wird nämlich gelehrt: R. A͑qiba sagte: Woher, daß das Synedrium am ganzen Tage, an dem es ein Todesurteil gefällt hat, nichts kosten darf? Es heißt: <i>ihr sollt nicht mit dem Blute essen</i>.
יד אלא לעיוני בדיניה ה"נ לעיוני בדיניה א"ל אם כן נמצאת מענה את דינו
14 Vielmehr [heißt dies] über den Fall verhandeln, ebenso heißt dies auch da über die Sache verhandeln. Jener entgegnete: Dadurch wird ja die Verurteilung ausgedehnt!? –
טו אתו מצפרא ומעייני בדיניה ועיילי ואכלי ושתו כולי יומא והדר אתו בשקיעת החמה וגמרינן לדיניה וקטלו ליה
15 Sie verhandeln morgens über den Fall, essen und trinken während des ganzen Tages, und erst bei Sonnenuntergang beenden sie die Verhandlung und vollstrecken das Todesurteil.
טז אמר אביי ת"ש ומנודה שהתירו לו חכמים
16 Abajje erwiderte: Komm und höre: Und der mit dem Banne belegt war und von den Weisen befreit wurde!?
יז אמר רבא מי קתני שהתירוהו חכמים שהתירו לו חכמים קתני דאזל ופייסיה לבעל דיניה ואתי קמי דרבנן ושרו ליה
17 Raba entgegnete: Heißt es etwa: dem die Weisen erlaubt haben, es heißt ja; befreit haben; wenn er seinen Gegner befriedigte, dann vor die Weisen trat und sie ihn befreiten.
יח מצורע מהו שינהיג צרעתו ברגל אמר אביי תא שמע והנזיר והמצורע מטומאתו לטהרתו הא בימי טומאתו נהיג
18 Hat der Aussätzige während des Festes [die Vorschriften] des Aussätzigen zu halten? Abajje erwiderte: Komm und höre: Und der aus seiner Unreinheit in Reinheit übergehende Aussätzige. Während seiner Unreinheit hat er es somit zu halten. –
יט לא מיבעיא קאמר לא מיבעיא בימי טומאתו דלא נהיג אבל לטהרתו ניגזור שמא ישהה קרבנותיו קמ"ל
19 Von diesem ist es selbstverständlich; selbstverständlich hat er es während seiner Unreinheit nicht zu halten, man könnte aber glauben, daß er bei seinem Übergehen in die Reinheit berücksichtige, er könnte seine Opfer aufschieben, so lehrt er uns.
כ אמר רבא ת"ש (ויקרא יג, מה) והצרוע לרבות כהן גדול והא כה"ג דכל השנה כרגל לכולי עלמא דמי דתנן כהן גדול מקריב אונן ואינו אוכל שמע מינה נוהג צרעתו ברגל שמע מינה
20 Raba erwiderte: Komm und höre. <i>Und der Aussätzige</i>, dies schließt den Hochpriester ein. Dem Hochpriester ist ja das ganze Jahr, was das Fest für jeden anderen, denn wir haben gelernt, der Hochpriester darf als Trauernder das Opfer darbringen, jedoch davon nicht essen. Somit ist hieraus zu schließen, daß [die Vorschriften] des Aussätzigen während des Festes zu halten sind. Schließe hieraus.
כא אבל אסור בתספורת מדקאמר להו רחמנא לבני אהרן (ויקרא י, ו) ראשיכם אל תפרעו מכלל דכולי עלמא אסור
21 Dem Leidtragenden ist das Haarscheren verboten, denn da der Allbarmherzige zu den Kindern Ahrons sagte: <i>ihr sollt euer Haupthaar nicht wachsen lassen,</i> so ist demnach jedem anderen [das Haarscheren] verboten.